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Karl-J. Kluge

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2. Herchener Critical Thinking-Days  

                Zur Info: Programm Januar 2010                    

 

 

 PÄD-fit lehrte Gymnasialschüler zu lernen

 oder:

 Wie Widerstände im Unterricht zu  

 Ressourcen werden

 

 Critical-Thinking-Days: "Quo vadis 8a"

 

Zuletzt geändert am 02.12.10

 

Karl-J. Kluge, Jan Weinreich und Eva Kluge

 

„Rote Heringe“ im Unterricht (Hoch-)Begabter

 

oder

 „Wenn wir testen und experimentieren, dann lernen wir und schreiten unaufhaltsam voran! Kritisches Denken ist der Motor der menschlichen Entwicklung und zum Weltfrieden.“

                                                                                       

(B. Dunning & Karl-J. Kluge) 

„Vor einiger Zeit sah ich mich in der Situation, für einen erkrankten Kollegen in Vertretung zu unterrichten. Eigentlich ist daran nichts Besonderes. Doch aufgrund einer Vielzahl von länger erkrankten Kollegen bat mich unser Schuldirektor, den Vertretungsunterricht für eine Klasse in Geschichte für mehrere Wochen zu übernehmen. „Na prima“, dachte ich. Geschichte! Ich kann nicht gerade behaupten, dass Geschichte in meiner eigenen Schullaufbahn mein Lieblingsfach war. Von daher beschloss ich, als ich mich für das Studium zum Lehrerberuf entschied, die Unterrichtsfächer Sport und Theologie zu wählen. Mich nun zu einem Vertretungslehrer für Geschichte zu machen, ist etwa so, als müsste ein Teerkocher für den Straßenbau nun die Leitung einer Restaurantküche übernehmen. Meine Hoffnung stieg jedoch, als ich erfuhr, dass die Klasse sich momentan in einer Projektarbeitsphase befand. Vor der Erkrankung meines Kollegen erhielten die Schüler von ihm den Auftrag, ein für sie interessantes geschichtliches Thema in ein Projekt mit anschließender Präsentationsphase aufzuarbeiten. Folglich sah ich mich damit konfrontiert, schwerpunktmäßig die Beaufsichtigung der arbeitenden Schüler zu übernehmen und mich nicht selber sofort mit geschichtlichen Themen auseinandersetzen zu müssen. Ein gefährlicher Trugschluss, wie sich bald herausstellte! Nachdem die ersten beiden Vertretungsstunden mit selbstständigen Recherchen der Schüler im Internet gefüllt waren, kamen in der dritten Stunde doch tatsächlich Schüler zu mir, die mich baten, ihre ersten Ergebnisse zu überprüfen und die Richtigkeit der aufgezeigten geschichtlichen Zusammenhänge zu überprüfen. Da stand ich - Jan - nun, als „teerverschmierter Straßenbauer“ mit theologischem Hintergrundwissen in der noblen Restaurantküche, in der nun unter meiner Verantwortung ein geschichtliches 3-Gänge-Menü serviert wurde. Doch ich hatte keine andere Wahl. So nahm ich die ersten Ergebnisse der mir gereichten Projektausarbeitungen entgegen. ihrem Projekt zu bearbeiten. Beim Lesen stellten wir gemeinsam fest, dass sie durchaus geschichtliche Ereignisse und Zusammenhänge wiedererkannte, doch sie über die Richtigkeit und Fundierung der

Ergebnisse kaum Aussagen machte. Ähnlich erging es anderen Schülern mit ihren Projektausarbeitungen, die sie mir - ihrer Lehrperson - mit der Bitte um Überprüfung gaben. Sei es die Zeit der "Französischen Revolution" oder das Thema "Werkzeuge der Menschen in der Steinzeit" oder "Die Zeit der Pharaonen".

Stutzig wurden sie selbst, als wir uns die ausgedruckten Internetergebnisse und Quellenangaben näher ansahen. Bei den meisten der angegebenen Quellen handelte es sich um Artikel der Internetenzyklopädie Wikipedia. Ohne den Wert des Projektes Wikipedia schmälern zu wollen, welches darum bemüht ist, durch die Vernetzung des Internets und die Zusammenführung des Wissens von Millionen von Menschen einen schier unerschöpflichen Wissenspool aufzubauen, stellt sich mir als „LernBEGLEITER“ (Karl-J. Kluge) die Frage, welche Fundierung anhand von Fakten und Untersuchungen die dort veröffentlichten Texte bieten. Immerhin hat jeder Nutzer der Internetseite die Möglichkeit, Texte online zu stellen oder bereits vorhandene Texte zu ändern. Fakten, Belege und wissenschaftliche Beweisführungen könnten hier zum Spielball der Nutzer werden. In den Augen vieler Schüler waren die (willkürlich) zusammengefassten Texte „zweifelsfrei“ Aussagen von Kennern. Schließlich waren diese ja schwarz auf weiß im Internet zu finden. Auf kritisches Nachfragen meinten sie, wenn sie doch so viel Information zu einem Thema im Internet fänden, dann wäre das Material doch qualitativ hochwertig. Schließlich hätten sich schon so viele Leute mit diesen Themen beschäftigt, so dass es eine Reihe von Aufsätzen und Berichten zu den jeweiligen Wissengebieten bei Wikipedia gäbe.

Ich erinnerte mich an eine von mir besuchte Fortbildung zum Thema "Critical Thinking Germany“ (multiperspektivisches Denken). In Anlehnung an diese Fortbildung fragte ich die Schüler: "Und wie geht ihr mit „Roten Heringen“ um?". Schlagartig erfuhr ich die gebündelte Aufmerksamkeit der gesamten Klasse. In den Blicken der Lernenden las ich, dass einige wohl an meiner geistigen Verfassung zweifelten. „Rote Heringe“? Es dauerte eine Weile bis eine Schülerin den Mut aufbrachte, mich zu fragen, was ich, Jan, Ihnen denn nun mit „Roten Heringen“ sagen wolle.“

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